Verbreitet höhere Steuern für Liegenschaftsbesitzer

29 Juni 2020

Die letzte allgemeine Neubewertung wurde per 1. Januar 1999 durchgeführt.

Nach etwas mehr als 20 Jahren, ist die Neubewertung eine Anpassung an die in der Vergangenheit fast in allen Regionen des Kantons Bern stark angestiegenen Immobilienpreise.

Während der Amtliche Wert im kantonalen Durchschnitt im Jahr 1999 noch bei 68 Prozent des bei einem Verkauf realisierten Erlöses lag, sind dies heute lediglich noch 56 Prozent. Ziel ist es, den Amtlichen Wert nach Neubewertung als Medianwert bei 70 Prozent des Verkehrswertes anzustreben.

Die neuen amtlichen Werte werden weitgehend automatisiert berechnet. Amtliche Werte über 100 % des Verkehrswertes sind unzulässig, ebenso Werte deutlich unter dem Verkehrswert. Bei einer begründeten Annahme zur Fehleinschätzung Ihrer Liegenschaft, können Sie während einer Einsprachefrist von 30 Tagen den neuen Amtlichen Wert anfechten.

Die meisten Berner Liegenschaftsbesitzer werden mit der Neubewertung künftig mehr Steuern bezahlen müssen. Einzig im Verwaltungskreis Berner Jura bewegt sich der Anteil des amtlichen Wertes noch vielerorts nahe an den ursprünglichen Zielwerten. Dort wird sich durch die Neubewertung kaum etwas ändern.

Die Steuererhöhungen betreffen einerseits die Liegenschaftssteuer, welche direkt vom Amtlichen Wert, mit maximal 1.5 Promille, vielerorts aber auch 1.2 Promille, separat veranlagt wird. Die Einnahmen der Liegenschaftssteuer kommen der jeweiligen Standortgemeinde der Liegenschaft zugute.

Im Weiteren und zusätzlich ist ebenfalls die Vermögenssteuer betroffen, da der Amtliche Wert als Vermögensbestandteil in die Vermögenssteuerveranlagung einfliesst. Die Gelder aus der Vermögenssteuer fliessen zu zwei Dritteln den Kantonen und zu einem Drittel ebenfalls der jeweiligen Gemeinde.

Etwas fader Beigeschmack dürfte die Tatsache, sein, dass aufgrund einer systembedingten Abhängigkeit auch der Eigenmietwert eine Anpassung erfährt.  In den allermeisten Fällen liegt diese im einstelligen Prozentbereich und kann sowohl als leichte Erhöhung als auch als leichte Reduktion resultieren. Da der Eigenmietwert aber in der Einkommenssteuer veranlagt wird, kann bereits eine kleine Anpassung, zu wesentlichen Veränderungen in der Steuerbelastung führen.

Kleiner Trost aus Sicht der Liegenschaftsbesitzer. Die erhöhten Liegenschafts- und Vermögenssteuer dürften in den meisten Fällen mit ein paar 100 Franken zu Buche schlagen. Im Vergleich zur Mehrbelastung durch die letztmalige grosse Anpassung der Eigenmietwerte an die Marktpreise, wie sie der Kanton 2015 bereits vorgängig vorgenommen hat, fällt die jetztige Mehrbelastung sicherlich erheblich geringer aus.

Möchten Sie im Zusammenhang mit dieser Neubewertung oder auch unabhängig davon den Verkehrswert Ihrer Liegenschaft kennen? Unsere ausgebildeten und erfahrenen Immobilienbewerter stellen Ihnen nach einer Besichtigung gerne einen detaillierten Fachbericht aus.

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